Freireligiöse

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Mainz

 

 

 

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Was ist freireligiös?

 

 

Im Unterschied zur christlichen Lehre haben Freireligiöse eigene Vorstellungen zu Begriffen wie z. Bsp.: Erlösung, Gebet, Gewissen, Gott, Leid, Seele, Tod etc.

 

Freireligiös bedeutet:

 

*  einen anderen Gottesbegriff (immanent statt transzendent),

*  einen anderen Religionsbegriff (frei statt dogmatisch),

*  eine andere Ethik (menschen-orientiert statt gott-orientiert).

 

 

 

 

Die Freireligiöse Gemeinde Mainz

basiert auf folgenden Grundgedanken:

 

Im Wissen um die Geschichte und Tradition der Freireligiösen, deren oberstes Prinzip die freie Selbstbestimmung in allen religiösen Angelegenheiten sowie die Entwicklung einer auf die Bedürfnisse des Menschen bezogene Religiosität ist,

-       gegründet auf dem Maßstab der Vernunft,

-       verpflichtet der Verantwortung für Mensch, Natur und Umwelt,

-       in Anerkennung der Vielfältigkeit der Lebens- und Weltanschauungen,

orientieren sich die Mitglieder der Freireligiösen Gemeinde Mainz an folgenden Grundgedanken, in dem Bewusstsein, diese auf Grund auch verändernder Erkenntnisse und Bedürfnisse kritisch zu hinterfragen:

 

1.     Religion ist grundlegendes Element der menschlichen Natur.

Religion ist etwas,

-       was den Menschen im Innersten bewegt,

-       was ihn zutiefst angeht,

-       was ihm wesentlich ist.

 

2.     Religiös ist der Mensch, der sich nicht gedankenlos vom Schicksal treiben lässt, sondern versucht, dem Leben einen Sinn zu geben. Das religiöse Bedürfnis ist das Bedürfnis, Sinn zu erfahren und Sinn zu stiften. Eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens gefunden zu haben, heißt religiös sein.

 

 

Der kategorische Imperativ, den Immanuel Kant vor über 200 Jahren

aufgestellt hat,

gilt Freireligiösen als Lebensregel:

 

Handle so, als ob die

Maxime deiner Handlung

zum allgemeinen Naturgesetz

werden sollte!

 

 

 

3.     Im Beziehungsgeflecht von Individuum und Gemeinschaft lassen sich unter anderem folgende Funktionen der Religion benennen, die dem Menschen helfen können:

-       Anstoß und Hilfe zur Sinnfindung zu geben,

-       Rückhalt und Orientierung auf existentielle Fragen zu finden,

-       Krisensituationen anzunehmen und zu bewältigen,

-       Wertorientierung zu finden,

-       Grunderfahrung in größere Zusammenhänge zu stellen,

-       bestehende Verhältnisse zu hinterfragen,

-       gemeinschaftsbildend zu wirken.

 

4.     Freie Religion fordert den einzelnen auf, eigene Antworten auf existentielle Grundfragen zu erarbeiten. Sie gibt keine fertigen Antworten vor, bietet aber einen Rahmen an, indem sie

-       den Menschen auf sich selbst verweist, auf seine Kräfte, Fähigkeiten und Gefühle,

-       zum selbstständigen und unabhängigen Suchen nach Wahrheit ermutigt,

-       zum solidarischen, die Rechte des anderen nicht verletzenden Handeln auffordert.

 

5.     Freireligiöse sind diesseitsorientiert, das heißt, sie glauben an die Einmaligkeit des Daseins, das sie durch ihr Tun und Lassen selbst verantworten, ohne sich auf eine überweltliche jenseitige Macht zu stützen.

 

 

Mensch werde wesentlich!

Denn wenn die Welt vergeht,

so fällt der Zufall weg;

das Wesen, das besteht.

Angelus Silesius

 

 

6.     Die religiöse Haltung der Freireligiösen hat ihren Grund im Ergriffensein und positiven Annehmen einer Wirklichkeit, in der das Erforschliche und das Unerforschliche zugleich enthalten ist. Sie sind sich bewusst, dass die uns bekannte Wirklichkeit nicht die letzte Wahrheit, das ganze Universum nicht die letzte Wirklichkeit ist.

 

7.     Freie Religion beruht auf der Idee der Ganzheitlichkeit und denkt eine Einheit von

-       Körper und Geist,

-       Mensch und Welt,

-       „Gott“ und Welt.

 

 

Johann Wolfgang von Goethe

hat „das Göttliche“, wie Freireligiöse es empfinden,

in einem Gedicht beschrieben:

 

Was wär’ ein Gott,

der nur von außen stieße,

im Kreis das All am Finger laufen ließe!

Ihm ziemt’s, die Welt im Innern zu bewegen,

Natur in sich, sich in Natur zu hegen,

so dass, was in ihm lebt und webt und ist,

nie seine Kraft, nie seinen Geist vermisst.

 

 

8.     Das Göttliche ist den Freireligiösen ein Sinnbild für die gestaltenden Kräfte und Ordnungsstrukturen im Naturbereich. Das einzigartige Denkvermögen des Menschen ist Teil davon, und nur er ist Träger des religiösen Gedankengutes und damit der Religion. Somit ist für Freireligiöse „Gott“ im besonderen Maße auch ein Symbol für des Menschen eigene Kräfte, die er in seinem Leben als Praxis von Vernunft und Liebe zu verwirklichen sucht.

 

9.     Menschen Freier Religion fühlen sich gebunden an das Prinzip der Ehrfurcht vor dem Sein und entwickeln eine religiöse Haltung, die das Mitgefühl und die Mitverantwortung für das Lebendige kultiviert.

 

10.  Die Wurzeln Freier Religion liegen in den das offizielle Kirchentum kritisch hinterfragenden Bewegungen sowie in den Geistesbewegungen des Humanismus und der Aufklärung

 

11.  Freireligiöse nutzen – soweit ethisch verantwortbar – Erkenntnisse der modernen Geistes- und Naturwissenschaft zur eigenen Weiterbildung. In Fragen der Religion nehmen sie eine Haltung ein, die, ohne Preisgabe intellektueller Redlichkeit, praktisch lebbar ist.

 

12.  Innerhalb des Spektrums Freier Religion ist Raum für theologische Positionen, die von pantheistischen Ansätzen bis hin zu religiös-humanistischen Überzeugungen reichen.

 

13.  Freie Religion ist nicht gebunden an feststehende Glaubenssätze oder –bekenntnisse.

In der Freireligiösen Gemeinde Mainz haben sich Menschen zusammengeschlossen, die bereit sind, ihr religiöses Bewusstsein zu vertiefen. Ihre Religion ist frei, weil sie unabhängig von den durch Kirchen geheiligten Glaubenssätzen (Dogmen) ist. Sie sind religiös, weil sie sich um eine eigene Haltung dem Leben, der Natur und dem Kosmos gegenüber bemühen. Diese innere Haltung ist durch eine Gemeinschaft getragen, die den Lebensgang des einzelnen begleitet, ein aktives Gemeindeleben fördert und ihr besonderes religiöses Interesse nach außen vertritt.

 

Grundgedanken der Freireligiösen Gemeinde Mainz

(Als Anlage zur Präambel Gemeindeverfassung am

17. März 1992 durch den Gemeinderat beschlossen.)

 

 

 

 

 

Ein Gedicht des Freireligiösen Pfarrers Gustav Tschirn

aus der Zeit um 1910:

 

 

Freireligiöses Bekenntnis  

 

Frei sind wir, also nicht gebunden,

durch Glaubenszwang in unsrer Religion.

Wir glauben, was wir selbst als wahr empfunden;

nicht, was uns vorschreibt eine Konfession.

 

Bekenntnis, Überzeugung sind uns nicht verkäuflich,

auch nicht um ew’ge Seligkeit und Himmelslohn.

Denn was uns unnatürlich scheint und unbegreiflich,

das nennen wir nicht „wahr“ aus Furcht vor Höllendrohn.

 

Die Wahrheit bau´n wir auf die Wirklichkeit,

auf der Vernunft und der Natur Gesetze,

die ehern stehn voll Unverbrüchlichkeit,

dass auch kein Gott durch Wunder sie verletze.

 

Allmächtig, ewig und unendlich,

allgegenwärtig in der kleinsten Spur,

unfassbar hoch und doch so nah verständlich,

das höchste Wesen – ist uns die Natur.

 

Die unerschaffne Schöpferin der Welten,

aus deren Schoß hervor die Sonnen gehen,

und die aus Sternentrümmern, aus zerschellten,

durch Welten-Nebel webt ein Welten-Auferstehn.

 

Sie lässt im Kreise auch unsre Erde rollen

und auf der Erde alles Leben blüh´n,

daraus zuletzt, zuhöchst erwachsen sollen

wir selbst, das Menschenherz, des Geistes Glühn.

 

Entwicklung hat uns empor getragen

tief aus dem Zellen-, Pflanzen-, Tieresstand

zum Aufrechtgehn, zum Sprechen, Denken, Wagen,

zur Kunst- und Arbeitsfähigkeit der Hand.

 

Natur gab uns die sittlich hohen Triebe

des Einzelnen zu der Gemeinsamkeit,

zu Menschenrecht und -pflicht, zur Nächstenliebe,

dass jeder sich dem Großen Ganzen weiht.

 

So leben wir mit Hoffen, Lachen, Weinen

und schauen über unsern Tod hinaus

der besser´n Zukunft stetiges Erscheinen

und atmen dafür unser Leben aus.

 

Im Kampfe singen wir mit Jubeltönen,

was aus des Weltalls Tiefe zu uns spricht:

In uns der Geist des Guten, Wahren, Schönen

führt segnend höherwärts – durch Nacht zum Licht.

 

Gustav Tschirn

 

 

 

 

 

 

Häufig gestellte Fragen an Freireligiöse:

 

 

Seid ihr auch eine Kirche?

Im Sinne einer christlichen Kirche (Kirche = Leib Christi) sind wir Freireligiösen keine Kirche.

Wir sind den Kirchen jedoch rechtlich gleichgestellt.

Geleitet werden die freireligiösen Gemeinden durch ehrenamtliche Männer und Frauen, die den Gemeinderat stellen. Es gibt Pfarrer und Pfarrerinnen, die in einigen Gemeinden auch Sprecher/innen oder Prediger/innen genannt werden.

 

Habt ihr Kirchen?

Kirchen im Sinne eines Gotteshauses haben wir nicht. Aber wir haben Versammlungsräume, Gemeindesäle und Feierhallen. Vielen Freireligiösen ist die „freie Natur“ ihre eigentliche Kirche.

 

Seid ihr eine Sekte?

Nein, wir sind als „Körperschaften des öffentlichen Rechts“ staatlich anerkannte Religionsgemeinschaften. Wenn Sekten Religionen sind, die den Menschen ihren Verstand austreiben wollen, so sind freireligiöse Gemeinden genau das Gegenteil davon.

 

Aus welcher geistigen Richtung seid ihr entstanden?

Im 19. Jahrhundert sammelten sich freiheitsliebende protestantische “Lichtfreunde“ unter dem Spruch „Frei sei der Geist und ohne Zwang der Glaube“. Dazu kamen kritische und Rom-feindliche Katholiken, Männer und Frauen aus allen Volksschichten. Ihnen schlossen sich die Vorkämpfer für politische und bürgerliche Freiheiten sowie für ein geeintes und demokratisches Deutschland an; sie alle erstrebten eine von Aberglauben, Furcht und Dogmen befreite Religiosität.

 

Glaubt ihr an Gott?

Es gibt unter den Freireligiösen Agnostiker, Atheisten und Pantheisten; den personalen Gottesbegriff lehnen nahezu alle ab. Versteht man aber unter Gott die Kraft, die in allem wirkt, gar das umfassende Leben selber, so lautet die Antwort bei den meisten Freireligiösen „ja“. Ein bestimmter, klar zu definierender Gottesglaube ist für Freireligiöse nicht verbindlich

 

Habt ihr einen Gottesdienst?

Wir haben Feierstunden, die zur Erbauung, zur Information oder zur Stärkung der Religiosität dienen.

 

Was ist für euch Religion?

Religion ist ein bestimmtes, persönliches Verhalten zum Leben und zu den Menschen. Religion hat mit Sinngebung, Selbstwerdung und Reifung zu tun. Religion ist für uns nicht festgelegte Forderung, etwas bestimmtes zu glauben, sondern Ehrfurcht, Erstaunen und Einssein. Sie hat auch zu tun mit der Fähigkeit des Menschen, über sich selbst hinaus zu denken, zu fühlen und zu handeln. Freie Religion ist nicht an eine bestimmte Lehre oder Offenbarung, an heilige Bücher oder Religionsstifter gebunden, sondern ereignet sich im einzelnen Menschen selbst.

 

Warum „freie“ Religion?

Wir sind frei in der Religion, aber nicht frei von Religion. Religiosität ist eine Grundbestimmung der Menschen, die sich in unendlich vielen Formen äußert. Frei sind wir deshalb, weil wir nicht dogmatisch gebunden sind, sondern auch anderen Einsichten und Weisheiten offen gegenüberstehen.

 

Was bedeutet euch Jesus?

Jesus ist neben Mohammed, Buddha, Sokrates usw. einer unter vielen maßgebenden Menschen, die unsere Kultur entscheidend beeinflussten. Er nimmt in unserem Denken keinen besonderen Platz ein. Einige Freireligiöse zweifeln an seiner geschichtlichen Existenz.

 

Was bedeutet euch die Bibel?

Sie ist ein interessantes literarisches Werk voller Legenden und Sagen. Sie enthält viele Lebensweisheiten und Lehren, die unsere Kultur entscheidend prägten. Als religiöses Werk stellen wir sie anderen heiligen Schriften gleich. Sie ist für uns kein besonders Buch.

 

Habt ihr auch so etwas wie die „Zehn Gebote“, nach denen Ihr euer Tun ausrichtet?

Wir glauben, dass das Gute um seiner selbst willen gut ist, und dass es nicht darauf ankommt, ob ein Gott etwas als „gut“ festsetzt. Jeder Mensch ist seinem Gewissen verantwortlich und der Gemeinschaft verpflichtet.

 

Was sind eure höchsten Werte?

Menschlichkeit, Duldsamkeit, Naturverbundenheit sowie alle weiteren Werte, die ein friedliches Miteinander unter den Menschen sowie ein Leben im Einklang mit der Natur ermöglichen.

 

Gibt es bei euch Sünde?

Das freireligiöse Menschenbild ist durch Entscheidungs- und Wahlfreiheit des Menschen gekennzeichnet. Er ist für sein Tun (auch für sein Nicht-Tun) selbst verantwortlich. Wir können uns bemühen, eine begangene Schuld wieder gut zu machen.

 

Gibt es bei euch eine Taufe?

Ja, im Sinne einer Lebens- oder Namensweihe, wobei das Kind in die Gemeinschaft aufgenommen wird. Taufe im christlichen Sinne als Reinigung von der Erbsünde gibt es nicht.

 

Was ist die Jugendweihe?

Die Freireligiöse Jugendweihe ist die feierliche Begleitung des Kindes beim Schritt zum Erwachsenwerden und die Aufnahme des Jugendlichen als selbstständiges Mitglied der Gemeinde.

 

Glaubt ihr an ein Leben nach dem Tod?

In seinen Werken, Taten und in seiner Familie lebt der Mensch weiter. Die jeweilige Vorstellung, was genau geschieht, muss jedem Einzelnen überlassen bleiben. An eine „Auferstehung des Fleisches“ im christlichen Sinn glaubt kein Freireligiöser. Die Erde wird nicht als eine Durchgangsstation auf dem Weg in ein besseres Leben nach dem Tod begriffen, sondern als Heimat, die uns Geborgenheit geben kann.

 

Gibt es bei euch Trauerfeiern?

Ja, sie sind in erster Linie ein Dienst für die Hinterbliebenen. In der Trauerfeier wird Trost gespendet und gezeigt, dass Leben und Tod eine Einheit im unendlichen Kreislauf des Geschehens in der Natur sind.

 

Welche Feste feiert ihr?

Die Feste, die der Jahreslauf vorgibt; Weihnachten als Wintersonnenwende und die Sommersonnenwende sind hierbei die Eckpfeiler. Weiterhin gehören die Feste dazu, die den Menschen auf seinem Lebensweg begleiten.

 

Welches Verhältnis habt ihr zu anderen Religionen?

Wichtig ist für uns das friedliche Miteinander aller Religionen, weil die verschiedenen Religionen uns die unterschiedlichen Wege der Menschen zu ihrem Ziel darstellen. Wir missionieren nicht und wollen nicht überreden; wer sich bei uns wiederfindet, ist jederzeit willkommen.

 

Betet ihr auch?

Freireligiöse können auch beten, wenn damit die Besinnung auf das eigene Selbst gemeint ist. Sie beten eher nicht, wenn damit das christliche Gebet im Sinne der magischen Beeinflussung der Gottheit durch Bitten, Flehen, Schmeicheln oder Verhandeln gemeint ist.

 

Woran glaubt ihr?

Freireligiöse haben kein Glaubensbekenntnis. Die meisten Freireligiösen glauben jedoch,

*  dass der Mensch ein Teil der Natur ist,

*  dass das Leben des Menschen einmalig ist,

*  dass der Mensch lebt, um glücklich zu sein,

*  dass der Mensch in sich die Fähigkeit hat, gut oder böse zu sein,

*  dass der Mensch das Recht hat, frei zu sein.

 

(entnommen aus dem Buch von Pfarrerin Elke Gensler: Freie Religion für Einsteiger)

 

Freireligiöse Gemeinde Mainz

 

 

 

 

In Abwandlung einer indischen Religionsweisheit

könnten Freireligiöse sagen:

 

„Gott“ schläft als Stein,

atmet als Pflanze,

träumt als Tier und

erwacht als Mensch.

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Sonnenkreuz

 

  

 

Das Sonnenkreuz (auch Sonnenrad genannt) ist das uralte Symbol für Ganzheit. Die Vierheit (Quaternität) gilt als menschliches Einteilungsprinzip für die Ganzheit. Das Sonnenrad steht für den Jahreslauf der Sonne mit den vier Wendepunkten (vier Jahreszeiten) genauso wie für den menschlichen Lebenslauf mit den vier Phasen von Kindheit, Jugend, Erwachsensein und Alter. Damit symbolisiert sich Werden und Vergehen in der Drehbewegung des Rades. Entsprechend zeigt sich dem Menschen das Wesen der Natur als ein immerwährendes Werden und Vergehen. Der Mittelpunkt im Radkreuz, um den sich alles bewegt, ist symbolisch der Ort für das Ewige, Unvergängliche.

 

 

 

 

Freireligiöse Feste und Feiern

 

Feste und Feiern gehören zum ältesten Kulturgut der Menschheit und werden in allen Religionen begangen. Die religiösen Feste wie Weihnachten, Ostern, Taufe, Hochzeit, Jugendfeier und Bestattung sind allesamt älter als das Christentum. Freireligiöse Feste und Feiern sollen

*  zur Besinnung aufrufen,

*  das Innerste des Menschen anrühren,

*  die freireligiöse Haltung deutlich machen.

 

Feste des Jahres

 

Sommerfest / Sommersonnwende

Die Sommersonnwende, die bei den Freireligiösen gefeiert wird, ist Ausdruck ihrer Weltanschauung und zeigt, welche Bedeutung die Natur für sie besitzt. Dieses Sommerfest, auch Sonnwendfeier genannt, wird traditionell am Samstag um den 21. Juni begangen. Es  bietet Anlass zur Besinnung darauf, dass die Menschen trotz eines gewissen Maßes an Autonomie der Natur gegenüber doch letzten Endes zu ihr gehören und sich nicht von ihr lösen können. Dieses Fest ist somit Erinnerung an das Eingebundensein in die Natur als ein Sich-Besinnen auf das Einssein alles Seienden. Der Veranstaltung liegt kein starrer Programmablauf zugrunde, vielmehr wird im Freien gefeiert und geselliges Beisammensein und Besinnung auf lockere Weise miteinander verbunden.

 

Totengedenken

Jeweils im November findet eine Feierstunde statt, die eine Stunde des Nachdenkens über Tod und Leben ist. Der Tod erscheint als Teil des Lebens, er ist Vollendung des Lebens und zugleich Auflösung des Ichs in ein größeres Ganzes. Der Tod ist zwar Grenzstein des Lebens, aber nicht der Liebe. Was wesenhaft echt war, was ein Mensch wirkte und bewirkte in seinem Leben, das lebt und wirkt weiter in den Menschen, die ihm nahe standen und nach seinem Tod nahe stehen werden. Totengedenken soll den Blick auf die Natürlichkeit und Unvermeidbarkeit von Sterben und Tod schärfen. Nachdenken über den Tod kann helfen, das Leben menschlicher zu gestalten, sorgsamer damit umzugehen. Denn erst am Tod des anderen spüren wir häufig die Notwendigkeit, beim unbekümmerten Dahinleben innezuhalten und die Richtung zu überdenken.

Der Ablauf der Totengedenkfeier gestaltet sich so, dass nach der Ansprache für die Verstorbenen Kerzen entzündet werden und in einem stillen Besinnen ihrer gedacht wird.

 

Weihnachten / Wintersonnwende

Weihnachten ist auch für Freireligiöse ein wichtiges Fest im Jahreskreislauf, denn es markiert die Zeit der Wintersonnwende. Die „wihen nachten“, die geweihten Nächte um den 21. Dezember herum, erschienen den Menschen früherer Kulturen als „geweiht“, weil in dieser dunkelsten Zeit des Jahres die lebensspendende, lebenssichernde Wende im Sonnenlauf erfolgte. Mit dem Sieg des Lichts (z. Bsp. auch „Sol invictus“ und „Mithras“) über die Finsternis und die Kraft der Wärme, die die lebensfeindliche Kälte überwindet, verbanden die Menschen immer die Hoffnung auf ein neues glückliches Leben in Licht und Wärme.

Doch würde man dem Sinngehalt des freireligiösen Weihnachtsfestes nicht gerecht, wollte man ihn allein auf jenes, die Menschen in früheren Zeiten so bewegende, jährlich wiederkehrende Ereignis beschränken. Weihnachten vereint Ideen, Brauchtümer und Ideale verschiedener Religionen, Kulturen und Zeitalter. Deshalb entzieht sich das freireligiöse Weihnachtsfest einer eindeutigen Sinnzuschreibung; vielmehr ist es Ausdruck des Sehnens des Menschen nach Harmonie, nach Frieden, nach der verlorengegangenen Einheit mit der Natur.

Es ist das Fest der Zuwendung zwischen den Menschen, eine Zeit der Stille und der inneren Einkehr, eine Feier des Lichtes und der Hoffnung auf Neubeginn. Der Lichterbaum, grün mitten im Winter, ist Sinnbild des Lebens und des stets sich erneuernden Lichts.

 

Besondere Anlässe

wie Jahresende, Gedenktage, Jubiläen etc. werden mit entsprechend gestalteten Feierstunde begangen.

 

 

Feiern des Lebens

 

Taufe / Lebensweihe

Die freireligiöse Taufe oder auch Lebensweihe wird aus Anlass der Namensgebung des Kindes begangen und beinhaltet einen Appell an die Eltern, ihr Kind verantwortungsbewusst und im Sinne des freireligiösen Menschenbilds zu erziehen. Das Versprechen der Eltern, dem Kind die Möglichkeit zu geben, seine angeborenen Anlagen zu entfalten, es voller Liebe und in Wahrung seiner Rechte als eigenständige Persönlichkeit aufwachsen zu lassen, bildet zusammen mit der Taufhandlung (Wasser als Zeichen für alles Lebendige und Symbol für das Eingebundensein in den Kreislauf der Natur) den Höhepunkt der Feier. Im Gegensatz zur christlichen Taufe hat die Lebensweihe keinen sakramentalen Charakter und bedeutet auch nicht die Aufnahme des Kindes in die Gemeinde im gesetzlichen Sinne. Es soll sich erst als urteilsfähiger Jugendlicher (Jugendweihe) oder Erwachsener selbst dazu entscheiden.

 

Jugendweihe

Diese Feier erfolgt im Alter der Religionsmündigkeit (14 Jahre). In der Vorbereitungszeit werden in dem nachmittäglichen Religionsunterricht die Jugendlichen mit den Ideen Freier Religion bekannt gemacht und erfahren Denkanstöße, die sie unter Achtung ihrer persönlichen Eigenart zu eigenem religiösen Empfinden und Denken hinführen soll. Die freireligiöse Jugendweihe markiert den Eintritt in den Lebensabschnitt der Jugend und wird damit ein Wendepunkt auf dem Weg des eigenen Suchens um eine selbstverantwortliche Lebensgestaltung. Die Jugendlichen geben das freiwillige Versprechen ab, in allen Lebenslagen dem eigenen Gewissen zu folgen und die eigene Freiheit sowie die der Mitmenschen zu bewahren.

Der Begriff „Jugendweihe“ wurde in der freireligiösen Bewegung erstmals 1868 gebraucht und wird in der Freireligiösen Gemeinde traditionell am Sonntag vor Ostern gefeiert. Die Grundsätze Freier Religion und das Thema Selbstverantwortung sind zentrale Punkte der Festansprache. Höhepunkt und Abschluss der Veranstaltung ist die feierliche Aufnahme der Jugendlichen als selbstständige Mitglieder der Gemeinde (Bilder).

 

Hochzeit

Die Eheschließung wird auch bei den Freireligiösen als ein wichtiges und besonderes Ereignis im menschlichen Lebensgang gefeiert. Viele junge Ehepaare begehen die Hochzeitsfeier innerhalb der Freireligiösen Gemeinde, um ihr Eheversprechen vor der Gemeinde und ihren Freunden und Verwandten zu bekräftigen. Die Zeremonie hat, wie alle anderen freireligiösen Riten, nur eine symbolische und keine sakramentale Bedeutung. Voraussetzung hierfür ist die standesamtliche Trauung. Das Eheversprechen wird in dem Sinne abgegeben, das zwei eigenständige und gleichwertige Persönlichkeiten versuchen wollen, in Harmonie und Liebe ein gemeinsames Leben in gemeinsam getragener Verantwortung zu führen. Dieses Versprechen geben sich die Eheleute ausschließlich vor ihrem eigenen Gewissen.

Einer Durchführung von glaubensverschiedenen Hochzeitsfeiern steht von freireligiöser Seite aus nichts im Wege.

 

Trauerfeier

Zu den Festen des Lebens gehört die Trauerfeier. Als unwiderruflich letzter Abschied von einem Menschen wird in ihr die Einbindung des Lebens in den ewigen Kreislauf des Werdens und Vergehens aller Natur verdeutlicht. Der Mensch als Teil hiervon ist diesem Kreislauf zugehörig. In der Traueransprache geht es somit um das Ernstnehmen des Lebens, um das Wissen über die Begrenztheit der eigenen Existenz, die dem Leben seine besondere Bedeutung als etwas Einmaliges und Unwiderrufliches gibt. Die Trauerfeier bei der Bestattung dient auch dazu, die Erinnerung an den verstorbenen Menschen zu erhalten, ihn so weiterleben zu lassen. Denn jeder Mensch nimmt in sein Leben das der anderen auf. Inhaltlich geht es in der Trauerrede deshalb nicht darum, den Hinterbliebenen abstrakte Trostworte zu sagen, sondern Eigenart und Lebensweg des Verstorbenen nochmals lebendig werden zu lassen. Durch die individuelle Gestaltungsmöglichkeit gewinnt die freireligiöse Trauerfeier einen sehr persönlichen Charakter.

 

 

 

Freireligiöse Gemeinde Mainz