von Franz Kafka

 

 

Ein theaterlicher Beitrag zum Darwin-Jahr 2009 mit Karl Koch

 

„Hohe Herren von der Akademie! Sie erweisen mir die Ehre, mich aufzufordern, der Akademie einen Bericht über mein äffisches Vorleben einzureichen ...“

 

Mit diesen Worten beginnt Franz Kafka seine geniale Erzählung, erstmals veröffentlicht im Jahr 1917.

 

An der Elfenbeinküste in Afrika zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Ein junger Affe wird im Auftrag des Zirkus Hagenbeck angeschossen, in einen Käfig gesperrt und auf einem Schiff nach Hamburg gebracht. Fünf Jahre später schildert dieser Affe, jetzt „Rotpeter“ genannt, seinen Weg, auf welchem „... ein gewesener Affe in die Menschenwelt eingedrungen ist und sich dort festgesetzt hat“.

 

Was nun folgt, ist ein pointiert bildreicher und kafka-typisch ironischer Vergleich – und mithin eine Abrechnung – des Affen „Rotpeter“ mit der Spezies Mensch und seiner Disposition. Im Laufe der Jahre haben sich – wie überhaupt bei Kafka – viele Deutungsansätze auch um den „Bericht“ angesammelt. Max Brod, Kafkas langjähriger Freund und literarischer Nachlassverwalter, hat beispielsweise die Erzählung auf den Anpassungsdruck hin gedeutet, unter dem das jüdische Volk Jahrhunderte stand. „Rotpeter“, todkrank, in einen Käfig eingesperrt, erkennt, dass es eine absolute Freiheit, eine „Affenfreiheit“, nicht mehr geben kann – und entschied sich für das Varieté, also für ein Dasein auf der Bühne der Kuriositäten und Sensationen. „Ich hatte keinen Ausweg, musste mir ihn aber verschaffen, denn ohne ihn konnte ich nicht leben – ich wäre unweigerlich verreckt – nun, so hörte ich auf, Affe zu sein.“

 

Rotpeter passt sich an. Er ahmt die sich mit ihm beschäftigenden Matrosen nach und gibt, nachdem er eine Schnapsflasche geleert und sie ebenso kunstgerecht von sich geworfen hat wie seine Lehrmeister, den ersten menschlichen Laut von sich: „Hallo!“

 

Bei aller vermeintlichen Tragik der Figur des – in jeder Hinsicht heimatlosen – „Rotpeter“ ist unschwer Kafkas satirische Betrachtungsweise zu erkennen. Auch besitzt seine Erzählung damals wie heute überdenkenswerte Aktualität hinsichtlich gesellschaftlicher Zwänge, die auch uns bisweilen zu äußerst fragwürdigen Anpassungen zwingen …

 

Stimmen:

„Der Schauspieler und Regisseur Karl Koch spielt diesen „Rotpeter“ mit leidenschaftlicher Hingabe und sprachlicher Präzision. Dabei turnt und schaukelt er bisweilen auf einem Stuhl in traumwandlerischer Sicherheit zum Vergnügen der Zuschauer.“ Szene, Köln

 

„In der Kleidung eines eleganten Bürgers um die Jahrhundertwende setzt Koch nuanciert Kafkas Sprache um, reich an Details, und er versteht es, durch Mimik und Stimme die Zuschauer von Beginn an in seinen Bann zu ziehen. Mainpost, Würzburg

 

Aufführung am Sonntag,  22.März um 15 Uhr im Gemeindezentrum der    Freireligiösen Gemeinde Mainz, Gartenfeldstr.1, Tel. 06131/674940

www.freireligioese-gemeinde-mainz.de

 

 

Infos auch unter: www.ensemble-radiks.de

 

                     

 

Karl Koch als Affe Rotpeter